Bericht des Soester Anzeigers vom 18. Februar 2015
Wie hoch ist Gülle-Belastung?

Aktuelle Nitratwerte in Welver sollen von der Verwaltung ermittelt werden
WELVER. Wird Gülle aus dem Münsterland oder Niedersachsen aufbracht auf Flächen in der Gemeinde Welver?
Wo sind die Messstellen für den Nitratgehalt im Grundwasser?
Wie hoch ist die Belastung des Grundwassers mit Nitraten und Phosphaten?

Diese drei Anfragen richtete Grünen-Fraktionschefin Cornelia Plaßmann im Haupt- und Finanzausschuss an die Gemeindeverwaltung.

Gülle wird aus dem Münsterland in den Kreis Soest importiert.
Hier fährt ein Lastwagen aus dem Kreis Steinfurt nach Lippetal-Ebbecke.


Die zuständige Fachbereichsleiterin Heike Grümme-Kuznik wird sich um die Beantwortung kümmern.
Der Gülle-Tourismus hat offenbar auch die Gemeinde Welver erreicht. Thomas Sellnau aus Vellinghausen behauptet in einem Bürgerantrag, dass in der Gemeinde Welver neben der Gülle aus dem Münsterland und Niedersachsen auch holländische Gülle ausgebracht werde. Letztere sei mit Antibiotika und Bakterien belastet. In Holland sei das Ausbringen sehr teuer, da die Gülle aufwendig vorbehandelt werden muss, bevor sie aufs Land verteilt wird. So würden Unmengen der trüben Fäkalien-Brühe aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gefahren.

Immerhin dauerte es ein knappes Jahr, bis der Bürgerantrag aus März 2014 jetzt im Hauptausschuss behandelt wurde, nachdem sich schon der Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Planung und Naturschutz im Januar dieses Jahres mit dem Thema beschäftigt hatte und dazu einen Experten der Landwirtschaftskammer hörte.
Allerdings wurde zur Gülle und ihren Auswirkungen im Ausschuss nicht weiter diskutiert. Tenor war, dass es nicht die Aufgabe der Gemeinde Welver ist, über die Gülleverordnung zu debattieren.

Das Problem ist damit aber nicht erledigt. Bekannt ist, dass sich die Europäische Union schon seit längerem mit den Nitratwerten im Deutschen Grundwasser und in abfließenden Gewässern beschäftigt. Im vergangenen Jahr gab es bereits die Drohung von EU-Behörden mit einer Anzeige, weil die Werte in Deutschland zu hoch seien. Richtig ist, dass laut Verordnung das Erzeugen und Ausbringen von Gülle auf den landwirtschaftlichen Flächen dokumentiert und kontrolliert werden muss. Landwirte sind verpflichtet den Einsatz ihrer Gülle im "Meldeprogramm Wirtschaftsdünger NRW" anzugeben. Wie aber flächendeckend allein in einer Gemeinde wie Welver nachhaltig kontrolliert werden soll, bleibt zumindest fragwürdig. Indessen ist es für Gebiete wie das Münsterland und Niedersachsen aufgrund der riesigen Mastanlagen gar nicht mehr möglich, die Gülle auf eigenem Grund und Boden auszubringen. Deshalb wird sie überall dorthin gefahren, wo die Überdüngung des Bodens noch nicht die Grenzwerte überschritten hat. Leiden müssen in jedem Fall das Grundwasser und die Gewässer, denn die Überdüngung und Nitratbelastung sind unbestritten. Einen Beitrag dazu leisten auch Biogas-Anlagen. Denn auch hier wird nach der Energieerzeugung konzentrierte Gülle erzeugt, die dann auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht werden muss, das bedeutet also eine weitere Anreicherung von Boden und Grundwasser mit Nitraten und phosphathaltigen Nährstoffen.

Mit Spannung dürften also die Antworten auf die Anfrage von Cornelia Plaßmann erwartet werden. Liegen Ergebnisse vor, dann wissen die Welveraner konkreter, welche Werte das Grundwasser hat, auf dem sie leben und landwirtschaften. - dümi

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